Da es heute den zweiten Tag hintereinander in Aix geregnet hat (was normal für die Jahreszeit sein mag und der Natur sicherlich gut tut, aber für mein egoistisches Empfinden an Frechheit grenzt), bin ich nach Marseille gefahren, um zu sehen, ob nicht dort die Sonne schiene. Quiiii, sie tat mir den Gefallen! Also trödelten Frau Komoot, Schweinehund und ich einen Tag lang durch das sonntägliche Marseille.
An dieser Stelle schon mal der Bembel für den öffentlichen Personennahverkehr der Grande Nation (oder zumindest den dieser Region hier). Wenn man das System erst einmal verstanden hat, fährt man schnell, günstig, sicher und eng getaktet, versorgt mit USB-Anschlüssen und Wifi:
Aix – Marseille alle 15 Minuten (sonntags!), 10 Euro hin und zurück in jeweils 30 Minuten (ohne Halt an jeder Milchkanne, denn für die gibt es extra Busse!). DA kann sich Herr BSAG mal umgucken!!
Ich hatte eine Vorstellung von Marseille, die irgendwo zwischen ranzig-unansehnlicher Hafen- und durch Bausünden verschandelter Großstadt lag. Aber, oh Wunder! Offenbar wurden die Kulturhauptstadt-Gelder seinerzeit recht sinnvoll eingesetzt, so dass das Ganze doch was hermacht.
Zunächst einmal irrte ich etwas verloren zwischen riesigen (aber sehr hübschen) Altstadthäusern umher, weil sich Frau Komoot weigerte mitzuarbeiten.
Nach gutem Zureden ging’s dann doch, und ich orientierte mich fortan an der von ihr vorgeschlagenen Altstadtroute, mit kleinen Abstechern nach hier und da.

Zuerst schlenderte ich durch das Altstadtviertel Panier und tauchten ein in das Gassen- und Treppengewirr und die Mischung aus Graffiti, Touristenläden, Restaurants und Bars. Die Luft – je nach Ecke, um die ich bog – wahlweise Duftnote Meeresbrise, Gammelfisch, Weihrauch oder Hasch, ein Fetzen jazzige Musik hier, ein Katzenkreischen da, das nicht sehr zahlreiche Publikum eine Mischung aus vom vorigen Abend Übriggebliebenen, einzelnen Touristen und – tatsächlich – Einheimischen (oder was ich dafür hielt).
Frau Komoot führte mich zum alten Hafen, wo daselbst eine formidable altehrwürdige Kathedrale steht, flankiert von historischen Festungsanlagen und modernen Museumsbauten. Insgesamt ein spannendes Ensemble! Dort nahm ich dann – schon bei DEUTLICH mehr Publikumsverkehr – ein paar Falaffel zu mir und lungerte ein wenig auf einer historischen Kastellmauer rum.
Jenseits des Kastells erwartete mich der Blick auf die einzeln auf einem Berg liegende Kirche Notre-Dame de la Garde, den Jachthafen und die Promenade. Dort traten sich achsoviele Menschen mittlerweile ziemlich auf die Füße und jagte ein straßenmusikalisches Highlight das nächste. Von Wind of Change bis zum Entertainer war alles dabei. Ein herrliches Gedränge und Durcheinander!
Ich packte mein neu erworbenes Dascherl (Täschchen) mit meinem Hab und Gut noch ein wenig fester unter den Arm, hatte ich doch Großeltern, denen schon in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in Südfrankreich das Auto ausgeräumt wurde (oft gehört, die Geschichte, also Obacht!) und wühlte mich durch die Massen.
Schweinehund wollte seehr gerne Bus fahren hinauf auf den Berg zur Notre-Dame, aber mit Blick auf Frau Komoots Kilometerstandsanzeige entschied ich: Wir gehen zu Fuß! Oben angekommen eröffnete sich uns ein großartiger Rundblick auf die in güldenes Abendlicht getauchte Stadt. Mei, war des sche!
Ein würdiger Abschluss für diesen schönen Tag, an dessen Ende wir von le bus aufs wunderbarste wieder nach Hause kutschiert wurden.
Und deswegen sei wiederholt: Der Bembel an den ÖPNV der Grande Nation. Funktioniert tipptopp!!
























