Als ich gestern Abend von meinem Stadtausflug nach Heidelberg zurückkam, lag Schweinehund bäuchlings im Bett und zappte sich durch die deutsche Fernsehhlandschaft. Er hatte einen Tag Pause gemacht, während ich urbanes Leben in Heidelberg genoss.
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Und das war so:
Kaum kam ich gegen Mittag mit dem Bus in der Stadt, ging ein fürchterliches Gewitter über Altstadt und Schloss hernieder, das mindestens Gedanken an Sintflut und Weltuntergang heraufbeschwor und mich erst in eine Tiefgarage und – als es dann mal kurz etwas besser wurde – in die nächstbeste Kneipe flüchten ließ. Damit hatte ich schon mal zwei nasse Füße.
Des Treffen mit zwei lieben Menschen aus Stuttgart begann mit einem Besuch im Heidelberger Zuckerladen, einem skurril-einmaligen Kaufmannsladen, der bis unter die Decken vollgestopft ist mit Süßwaren aus aller Welt. Mit einer Zange bewaffnet und fast aristokratischer Würde bediente FRAU Zuckerladen eine etwa 6-jährige Dame an der Gummitierchen-Theke, beriet sie ausführlich zu Für und Wider von weißen Schaummäusen und Gummischlangen und stellte eine vollendet gemischte Tüte für das Frolleinchen zusammen. Derweil dozierte HERR Zuckerladen hinterm Ladentisch (sowohl sprachlich als auch bezogen auf sein Erscheinungsbild verwirrt professorenhaft) über Karamellen im Allgemeinen und Speziellen und verlangte von meiner Begleitung lächerlich wenig Geld für ihre Einkäufe. Da ich nichts kaufen wollte (ich muss es ja tragen), ließ er es sich nicht nehmen, mit einem überdimensionierten Würfelbecher für uns zu würfeln (ich nehme an, in anderen Zeiten würfelt man selbst), um uns zu einem zusätzlichen süßen Gewinn zu verhelfen. Keinesfalls verpassen, wenn man mal in Heidelberg ist!
Hernach landeten wir im Nana, einem hübschen (Straßen-) Restaurant und bestellten in Erinnerung an einen gemeinsamen Schweden-Urlaub erst mal einen Hugo, später was zu essen, noch später einen Kaffee und als wir endlich ein wenig flanieren wollten, fing es wieder fürchterlich an zu regnen (nasse Füße, die Zweite) und wir bestellten in einer Bar noch einen Drink.
Dann wurden die beiden von einem Freund aus der Yoga-Ausbildung abgelöst und wir bestellten der Einfachheit halber noch einen Drink. Gegen später landeten wir im Gasthaus zum Roten Ochsen, einem „historischen Studentenlokal“, wo ein asiatisch aussehendes Männlein an einem völlig verstimmten Klavier herrlichste Gassenhauer-Medleys spielte (Loreley, Gaudeamus Igitur, Freude schöner Götterfunken, Am Brunnen vor dem Tore, Marmor, Stein und Eisen bricht , das Heidelberglied ….).
Oh, war mir fürchterlich wohlig zumute, angedüdelt von einem weiteren Drink und sowieso seit dem vorherigen Abend heimatlich berührt gab ich mich dem Abend hin. Und so spazierten wir dann noch im Regen (… die Dritte) durch die feucht-dunkle, sehr lange und gespenstisch leere Heidlberger Fußgängerstraße, bevor ich mit dem Auto am Hotel abgesetzt wurde. Es war HERR-LICH!!
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Ich fand Schweinehund also fernseh-chillend vor, warf mich daneben, und gemeinsam haben wir uns noch bis ziemlich spät durch die dritten Programme (was anderes gab‘s irgendwie nicht) geglotzt, was nicht gerade vorausschauend war, wenn man die Länge der heutigen Etappe betrachtet: 27 Kilometer bis Mühlhausen.

Als ich Ziegelhausen bei herr-lich-stem Wanderwetter über die Neckarbrücke verließ, schaufelten oder pumpten die Menschen gerade reihenweise Wasser aus ihren Kellern. Das WAREN aber auch Regenmassen gestern! (Rückblickend bin ich doch sehr froh, dass ich da nicht im Wald unterwegs war.)
Drüben ging‘s über das Ochsenwegle (kleiner Ochsen-Weg) hinauf in die Odenwälder Höhen. Oben angekommen traf ich auf den örtlichen Förster, der mich zum Zustand des Weges (nach dem starken Regen) befragte, das Wegenetz rund um Heidelberg und den Neckar-Steig würde re-zertifiziert werden (aha) und da müsste alles in Ordnung sein (na klar) …
Naja, meinte ich, also da wurde gestern beim Regen ganz schön viel Erde ausgeschwemmt …
AAHHHH!! (huch, Deckung!), das seien die Mountain-Biker, die alle Wege kaputtmachten (obwohl sie da gar nicht fahren dürfen) und die Erosion stark beschleunigten, und das sei mittlerweile ein ECHTES Problem….
Sag ich ja!
Erfreulicher ging es weiter. Durch den Wald, oft auf schmalen Pfaden und immer wieder lag ein hübsches Brünnlein am Wegesrand und sonnte sich. Am Bärenbrunnen lag da außerdem eine Schlange. Schweinehund quietschte vor Vergnügen: Eine ganze Schlange aus bemalten Steinen! Er suchte sich den schönsten vom Schlangenende (leicht musste er ja sein!) aus und wir tauschten ihn gegen unseren Quietsch-Herz-Stein. Langsam fängt das an, Spaß zu machen! (Bei der Gelegenheit: Herzlichen Dank an die Spenderin des digitalen Steinchens – Silkezwo – wir haben uns sehr gefreut.)
Unversehens fand ich mich in Gaiberg wieder, wo es neben frischem Obst (es war Markttag), einem nicht mehr so frischen Bulli (der stand da schon ne Weile) ein E1-Gedenk-Fenster und einen Wegweiser gibt – initiiert und umgesetzt von der SPD-Ortsgruppe und dem Verein „Aktive Gaiberger“. Toll, oder?
NATÜRLICH habe ich mich im Gästebuch verewigt und hätte auch gerne noch etwas länger darin gestöbert, aber man muss ja weiter … 27 Kilometer. Ich fürchte, die 3040 Kilometer bis Sizilien schaffe ich nicht mehr bis August.
Und dann – schwupp – war ich auch schon raus aus dem Odenwald und drin im Kraichgau, der Toskana Deutschlands. Hügellandschaft, Wein- und Obstanbau, herrliches Wetter (und das wohl nicht nur heute). Was lag da näher, als eine Füße-hoch-Pause mit geklauten Kirschen vom Baum und ner ordentlichen Puccini-Oper auf den Ohren – fehlte nur noch der Rotwein!
Da aber 27 Kilometer auf der Komoot-Uhr nicht durch ein Wunder aufs Display gezaubert werden, musste ich weiter. Und das fiel dann auch zunehmend schwer. Nicht nur, dass es ziemlich warm war (da wollen wir uns aber mal noch nicht beschweren – es soll noch DEUTLICH heißer werden), nein, die Gefahr lauerte im Wald. Ich nehme an, Obelix hätte gejuchzt!
Und dann kam bei Kilometer 23 die Umleitung, was Schweinehund nicht freudig stimmte, möchte ich mal vorsichtig formulieren. Frau Komoot fand es super, endlich war sie mal wieder gefordert! Und so suchte sie uns auch die schnellste und kürzeste aller Umleitungen dieser Welt – trotzdem 3 Kilometer mehr.
Aber: Auch Umleitungen haben ein Ende. Und: Sie (die Umleitung) sorgte für eine Wegrand-Bekanntschaft, mit der sich vergnüglich plauschen ließ und die mich im toskanischen Mühlhausen zum Italiener einlud. La dolce vita!
Und deswegen kriegt der auch den Bembel, der Christian aus Mühlhausen im Kraichgau! Salut!























Du liebe Wanderkönigin,
heute hatte ich endlich mal Zeit und Muße, deinen Blog zu lesen, zu bestauen, anzuschauen, bewundern.
So viele schöne Bilder, Erlebnisse und Eindrücke ! Und unser Heidelberg- Treffen war genau so …. hast du herrlich beschrieben 😉 Freuen uns auf unser Wiedersehen, ganz bald in Stuttgart.
Drück dich, Sibylle
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