Gartenschau-Gott

Der heutige Tag startete in Gochsheim mit einem ausgiebigen Frühstück und einem Plausch mit den Wirtsleuten (weil ich mal wieder der einzige Gast war). Sie erzählten, wie es so sei in Corona-Zeiten als Landgasthof, der zu 70 Prozent von Familienfeiern lebt, die Kommunionen und Konfirmationen, alle abgesagt undoder schon vier Mal verschoben und dann auf den gleichen Termin gelegt wie das Nachbardorf. Runde Geburtstage? Fehlanzeige. Und der Schwiegersohn sei kurz vor dem Holland-Urlaub nochmals beim Arzt gewesen, um sich ein Heuschnupfen-Medikament verschreiben zu lassen, und der Arzt habe ihn wegen des Halskratzens gleich in Quarantäne geschickt, und die Familie gleich mit, also nix mit Holland erst mal. Wasnscheißaberauch!

Danach verließen wir Gochsheim Richtung Süden (wohin auch sonst) ins 24 Kilometer entfernte Königsbach-Stein, vielmehr nach Stein, ins Gasthaus zur Krone.

Das Wetter ist nach wie vor ein wanderprächtiger Sonne-Wolken-Mix, knapp über 20 Grad mit leichter Prise von irgendwoher. Der Weg auf der letzten Etappe im Kraichgau gewohnt Getreidefeld- und Klatschmohn-umrahmt. Die Füßchen leicht und Schweinehund gutlaunig vor sich hinstrolchend. So soll es sein!

Unser Weg kreuzte den Büchinger Gedichte-Weg (schon wieder Lyrik), der der Wandersfrau allerlei Gedichtetes von Alfred Hagmann zur seelischen Erbauung bietet. Titel wie „Vater der Braut – oh mir graut!“ oder „Die Olle daheim“ oder „Der Strohwitwer“ ließen mein lyrisches Herz höher schlagen. Sa-gen-haft!

Nach der Hälfte der Strecke kamen wir in das Städtchen Bretten. Hübsche Fachwerkhäuschen, ein schmuckes Rathaus … und ein Melanchthon-Museum. Der Meister himself (Philosoph, Humanist, Theologe undundund Zeitgenosse Luthers) wurde nämlich darselbst im Jahre 1497 geboren, weshalb sich das Städtchen auch Melanchthon-Stadt nennt. Für das Museum blieb (wie immer) keine Zeit, wohl aber für einen kurzen Plausch mit einem wichtigwichtig-Menschen mit grüner Krawatte, der zum Befürwortungs-Team für die Bewerbung Brettens für eine Gartenschau in den 2030er Jahren gehörte. Ich zeigte mich mit allem einverstanden – klar doch, Renaturierung! – und hockte mich dann für ein Stündchen auf dem Marktplatz in die Sonne – bei Cappucino und Sahneschnitte.

Der Etappe zweiter Teil ging durch hübschen Wald und bot dann kurz vor dem Ziel einen herrlichen Blick auf den Schwarzwald. Den ursprünglichen Plan – in Pforzheim (12 Kilometer von hier) nach Stuttgart abzubiegen und dort meine Wanderung zu beenden – habe ich schon vor ein paar Tagen verworfen. Der neue Plan: Weiter auf dem E1 durch den Schwarzwald – und zwar auf dem legendären Westweg, der den schwarzen Wald von Pforzheim nach Basel durchquert. Basel ich auch ein schöner Endpunkt, oder?

Der Bembel des Tages geht an die Menschen vom Befürwortungsteam für eine Gartenschau in Bretten. Möge euch der Gartenschau-Gott gewogen sein!

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