Nachtrag: 24. Juni

Am Abend dieses schönen 24. Juni 2020 (dem dieser Blog-Beitrag gilt) saß ich bis spät abends auf 1.000 Meter Höhe im Hochschwarzwald mit freundlichen Wanderkollegen bei einem Viertele (1/4 Wein) oder auch zwei oder drei zusammen. Danach war ich weder willens noch in der Lage, noch einen sprachlich einigermaßen soliden Blog-Beitrag zu verfassen. Deswegen heute – einen Tag später, auch nicht mehr ganz nüchtern, aber immerhin!

Der gestrige Tag also begann in Forbach und endete 22 Kilometer später auf eben diesen 1.000 Metern Höhe an einem Ort namens Unterstmatt. (Warum nun gerade DIESER Ort UNTERSTmatt heißt, erschließt sich mir nicht, liegt er doch eben relativ hoch oben, auf den Schwarzwaldhöhen, der Gute).

Dieser Weg (nach Unterstmatt) wird ein steiler sein – und er war es dann auch. Über 1.000 Höhenmeter waren zu absolvieren. Das war für manche dann doch zu viel, und die Hälfte der neu formierten Wanderfamilie nahm erst mal ein Stückchen den Bus (was NA-TÜR-LICH VOLL-KOM-MEN in Ordnung ist).
Ich dachte eigentlich, Schweinehund sei der Erste, der sich da als blinder Passagier anschließt, aber der war erstaunlich fit und motiviert und sprang schon morgens um halb acht laut juchzend im Wander-Dress durchs Hotelzimmer. Auch ich kann bei mir mittlerweile ein deutlich gesteigertes Fitness- und Motivationslevel wahrnehmen: Die Füße drohen abends nicht mehr abzufallen, derzeit sind keine körperlichen Sollbruchstellen zu vermelden (wenn ich da an den Anfang im Februar denke, uiuiuiiii …) und Etappen von 25 Kilometern sind kein Problem mehr.

Nach den ersten 500 Höhenmetern lag da die Schwarzenbach-Talsperre und lud zum Bade. Scheinehund war selbstredend der erste, der mit einem Bauchpflatscher im kühlen Nass landete, Silke hinterher in die Fluten und Frau Komoot blieb vornehm am Gestade zurück und hütete unsere Habseligkeiten.

Danach ging‘s weiter steil bergauf, jetzt auf einem fast alpin anmutenden Gesteinspfad, auf dem mir stellenweise das Wasser entgegenkam. Reihenweise trafen wir schwer atmende Menschen, die sich den Berg raufschleppten und auch welche, die sich in der Gegenrichtung vorsichtig den Berg runtertasteten.

Und wir? Wir waren einfach gut drauf!! … und nutzen jede Möglichkeit für einen Schwatz unter Wandernden. Ein waldschratiger Wegewart vom Schwarzwaldverein (die, die sich um Begehbarkeit und Kennzeichnung der Wege kümmern) erklärte uns die NEUEN Weg-Markierungs-Regeln (uiuiuiiihh, dass es sowas gibt?!) und lud mich dann für Freitag kommende Woche zur nächsten Ortsgruppensitzung ein (och, weiß ich jetzt auch nicht…).

Bei der Phillipp-Bussemer-Gedenk-Tafel (endlich oben auf der s.g. Badener Höhe) traf ich zwei Baden-Badenerinnen beim stillen Gedenken und gesellte mich dazu. Wir hatten dann ziemlich schnell aus-gedenkt und tauschten uns darüber aus, wie GROß-AR-TIG doch das Wandern sei und wie tolltolltoll der Schwarze Wald. Im Überschwang ließ ich mich zu einem Touristen-Foto überreden – wer nun aber der gute Herr Bussemer wirklich war, vor dessen Gedenktafel ich posierte, ist nicht wirklich klar. Hier stehen ständig und relativ lückenlos irgendwelche zum Gedenken an verdiente Mitglieder des Schwarzwaldvereines anregende Tafeln, Steine, Hüttchen etc. herum, da verliert man leicht den Überblick.

Ich war also oben auf der Badener Höhe, wo sich standesgemäß eine Aussicht mit Aussichtsturm (endlich mal wieder ein Rapunzelturm) befindet, den ich selbstredend bestieg und hernach ein Füße-hoch-Päuschen machte. Und weil‘s so schön war, machte ich zwei Kilometer später schon wieder eine Pause im Naturfreundehaus, aß dort – wie ich abends übereinstimmend mit Justina feststellte – sensationellen Pflaumenkuchen und blätterte im Naturfreundehaus-Verzeichnis Deutschland.

Dabei fiel mir auf, dass ich bisher Naturfreundehäusern viel zu wenig Beachtung geschenkt habe. Dabei bieten die genau das, was ich mag: Ein Haus in der Natur, viele mit Übernachtungsmöglichkeit, gutes, regionales Bio-Essen und freundliche Menschen. Lasst uns die Naturfreundehäuser Deutschlands erkunden!

Abschließend erfreute ein kleines Hochmoor mein Herz, bevor ich in Unterstmatt einlief und auf die Wanderfamilie traf. Das Abendessen genossen wir auf der Terrasse der Unterkunft mit Blick auf Sonnenuntergang, Vogesen, Straßburg und den aufgehenden Sichelmond. Was kann es Schöneres geben?

Der Bembel geht an Norbert und Manfred, Mitglieder meiner Wanderfamilie, die diese Etappe auf ihre ganz eigene Art meisterten. Am Abendessenstisch war von renitenten Busfahrern, gefährlichen Bachquerungan, Stürzen, Alligatorenbissen und anderen wilden Dingen die Rede und ich glaube, so genau will ich das gar nicht wissen.

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