Am heutigen Tag brach unsere Wanderfamilie leider auch schon wieder auseinander (es hat ja nicht Jede/r so viel Zeit wie ich). Justina verabschiedete sich am Morgen nach Hause und auch Manfred nahm gegen Ende der Etappe (26 Kilometer bis Zuflucht – der Ort heißt wirklich so) den Bus nach Freudenstadt. Norbert und ich hatten beschlossen, Manfred auf seiner letzten Etappe zu begleiten und so trotteten wir drei um 9 Uhr los.

Man muss ehrlich sein (und die von Frau Komoot angezeigte Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 km/h spricht Bände – immerhin hatte ich auch schon Etappen mit fast 5 km/h). Es war eine Genusstour, auf der wir uns sehr viel Zeit ließen und uns von einem Bänkchen (Bänkle) zum nächsten, von einer Einkehr zur nächsten mogelten.
Erstes Highlight war die sagenumwobene Hornisgrinde, die blütenrein in der Morgensonne lag und mit ihren vielfältigen Türmen (zur Aussicht, zur Fernmeldung, für Nachrichtendienste undsoweiter) nun wirklich keine Schönheit darstellt, aber eine Aussicht bietet, dass einem der Atem stockt.
Mir war tatsächlich im Vorfeld nicht bewusst – aber ich hätte es mir natürlich denken können – dass man auf dem WESTweg im Schwarzwald ständig die Aussicht nach WESTEN hat. Am Anfang war das noch der Blick auf Karlsruhe und den Pfälzer Wald – jetzt sind wir schon bei Straßburg und den Vogesen.
Der Weg führte uns weiter auf einem Grüß-Gott-Weg (ein Weg, auf dem man STÄN-DIG jemanden trifft, also ständig Grüß Gott sagt – wie hier eben üblich), also auf einem Grüß-Gott-Weg zum Mummelsee. Von einem Familienurlaub in Urzeiten wusste ich noch, dass der Mummel- eher ein Rummelsee ist und diese Einschätzung möchte ich an dieser Stelle bestätigen. Da tanzte dann doch recht freudig der Mummelsee-Bär!
Wir ließen es uns nicht nehmen, den See zu umrunden (schnell geschehen), von angeblichen Mummelsee-Meerjungfrauen zu lesen (schon wieder vergessen), in der Merchandising-Area Wurstbrötchen und Käsekuchen zu erstehen (lecker und gar nicht mal so mondpreisig – außerdem hab ich nicht bezahlt) und dann flugs durchs nächste Westwegtor hinaus zu wandern in die Kernzone des Nationalparks Schwarzwald, der tatsächlich erst 2014 gegründet wurde (ach, schau an).
Irgendwo dort wollten wir in Ruhe, im Schatten und auf einem Bänkchen sitzen und pausieren. Aber ach, kein Bänkchen in Sicht, was – so meine These – daran lag, dass wir uns wirklich in der Kernzone befanden, wo Herr Nationalpark ABSICHTLICH keine Bänkchen aufgestellt hat, weil die Menschlein sich da gar nicht so lange aufhalten sollen. Dann eben auf dem Waldboden…
Es gab viele abgestorbene Bäume, die sie da einfach stehen und liegen lassen, weil im Nationalpark alles seinen natürlichen Gang gehen soll. Wem die quer über den Weg liegenden Bäume zu anstrengend seien, der möge doch bitte den Fahrradweg nehmen, so ein freundliches Hinweisschild.
Im weiteren Verlauf der Etappe gab es weitere kleinere und größere Pausen, hübsche und weniger hübsche Wegstrecken, Gespräche und Gelächter. Pünktlich um 16.40 Uhr gaben wir Manfred an der Bushaltestelle ab. Norbert und ich widerstanden der Versuchung, den Bus bis zu unseren jeweiligen Hotels zu nehmen und machten uns auf die letzten 7 Kilometer.
Der Weg führte nun bei permanent toller Süd- und Westsicht, einer unverwüstlichen Nachmittagssonne und grandioser Natur bergaufbergab und versetzte uns in eine Art unwirkliche Hochstimmung, die Dope auch nicht besser hingekriegt hätte.
Glücklich und zufrieden kamen wir gegen 19 Uhr in der Zuflucht an und setzten uns übergangslos bei Wein und Forelle auf die Terrasse. Besser kann ein Wandertag nicht sein – nein, ganz bestimmt nicht. Und ich hab nun wirklich schon ein bisschen Erfahrung. Und wenn es einen Wander-Gott gibt, dann kriegt der auch den Bembel!













