Heute Morgen in Mals war die Stimmung mausgrau. Das bezog sich nicht nur auf das Wetter (es regnete immer noch und die Bergspitzen, die man zwischen den tief hängenden Wolken erahnen konnte, waren weiß gezuckert) und dessen weitere Aussichten. Nein, ich war auch völlig planlos ob der heutigen Strecke, hatte noch kein Quartier für abends, ja wusste noch nicht mal, ob ich überhaupt loswanden solltewollte.
Zudem sind meine Schuhe schon wieder in Auflösung begriffen. Außen, weil der Schuster in Bludenz mit der Neubesohlung über Nacht vielleicht doch etwas ZU ambitioniert war und sich die rechte neue Sohle schon wieder löst und innen, weil das Innenleder völlig mürbe und hinüber ist. Ich glaube, für die Schuhe geht der Weg zu Ende. Und für mich auch. Am nächsten Sonntag in Meran soll Schluss sein – noch 5 Tage.
Doch zurück zum heutigen Tag: Nach einem längeren Informationsgespräch mit dem Hotelmenschen war klar: oben in den Bergen hatte es RICHTIG geschneit (30 Zentimeter am Stilfser Joch), die hochalpinen Wege fielen also erst mal aus, im Tal über die Rad-Autobahn wollte ich auch nicht mehr, also blieb die mittlere Höhe. Demzufolge stapfte ich los, einfach grob Richtung Meran und eben auf halber Höhe. Am Ende des Tages waren es 16 Kilometer und diverse Höhenmeter rauf und runter.
Von Mals ging es aufwärts, weil ich hoffte, in dem hier bestehenden Wegewirrwarr den Vinschger Höhenweg zu erwischen. Das tat ich dann auch mit Frau Komoots Unterstützung, und es war ein hübscher Pfad (allerdings offenbar nicht so sehr frequentiert), der sich da am Berg entlang schlängelte mit nun eindeutig südlicher Vegetation, flankierenden Obstbäumen und Weinreben und eigentlich einem grandiosem Blick auf das Ortler-Massiv. Leider gedachte das heute wolkenverhangen zu sein …
Das Blöde am Wandern auf halber Höhe: Man nimmt jedes Seitental mit. Und so gelangte ich denn auch etwas ins Abseits und hinauf nach dem Orte Matsch, wo es kalt und zugig war. Ein Sahneschnittchen und ein heißer Tee hätten Schweinehund und mir jetzt gefallen. Jedoch hatte man den Dienstag zum Dorf-weiten Ruhetag erklärt, so dass beide Gasthäuser und das Cafe geschlossen hatten (wie in den besten Februartagen – rotes, grimmiges Emoji).
Als ich an der zugigen Bushaltestelle saß und meine mitgebrachte Stulle aß, kam tatsächlich ein Bus um die Ecke. Der fuhr jedoch ohne uns weiter, denn sein Ziel war Mals und da kamen wir ja her. Danach tauchten zwei streunende, gewaltig Zähne fletschende Hunde auf, die gar nicht nett aussahen und allen Beteiligten gehörig Angst machten.
Da wurde Schweinehund dann doch ein wenig ungnädig und zwang mich erst ans Telefon, um uns ein warmes Bettchen für gegen später zu organisieren (nach einigen Versuchen hatte ich Glück: Pension Mairhof auf halber Höhe und in der richtigen Richtung) und danach schleunigst zurück auf den Weg.
Der Vinschger Höhenweg macht an dieser Stelle noch ein paar unnötige Schlenker, die wir großzügig ausließen. UNSER Weg führte uns auf der anderen Seite des Seitentals wieder zurück und bescherte uns – bei nun tatsächlich recht heiterem Wetter- einen Waalweg entlang des Berkwaals.
Wer‘s nicht kennt: Waale sind künstlich angelegte Bewässerungskanäle, die das Vinschgau und andere Teile Südtirols durchziehen und an denen sich lieblichst entlangwandern lässt. Dass mir heute einer begegnen würde, war unerwartet und dafür umso schöner.
Fast genauso schön waren der Beeren-Naschweg wenig später mit einer sensationellen Himbeersorte und der Birkenhof mit selbstgemachten Käseknödeln. Auch mit dem Schlafplätzchen hätte ich es deutlich schlechter treffen können. Und: Es hat WIEDER einmal NICHT geregnet!
Und so hat das Leben mal wieder großartigst für mich gesorgt – und kriegt dafür auch mal nen Bembel. Auf das Leben!!











