Ich sitze im Zug und fahre in den spanischen Norden nach Gijón, was bedeutet, dass ich Spanien fast vollständig in Süd-Nord-Richtung durchquere – 800 Kilometer in neun Stunden, vom Mittelmehr an den Atlantik, aus sonnigen 25 Grad in wechselhafte 15 Grad plus. Der Abschied fiel schwer, hat es mir doch wirklich sehr gut gefallen da im vorsaisonalen Andalusien. Aber es ist der letzte im Vorfeld geplante und gebuchte Schritt meines Reisens – zu Freundin Cova, die in Gijón wohnt und arbeitet (zumindest teilweise). Und da freu ich mich jetzt einfach mal auf sie, den Atlantik und Asturien.
Die lange Fahrt gibt mir Zeit, noch ein südspanisch-andalusisches Thema aufzuarbeiten: Gestern habe ich mich dann doch noch zu einer Flamenco-Show hinreißen lassen, im Flamenco-Museum Sevillas. Ich dachte: Wenn einer weiß, wie es geht, dann die, und dann ist es bestimmt auch nicht ganz so touristen-neppig. Hmm, joaaa! Die schleusen da am Tag je 100 Leute durch 4 Shows (wie alle anderen Flamenco-Show-Keller vermutlich auch); da liegt die Touri-Neppigkeit sicherlich im Auge der Betrachterin.
Dennoch: Es war ein recht beeindruckendes Spektakel, das da – Achtung Kalauer! – in den Boden gestampft wurde. Was mir nicht so klar war: Der Flamenco besteht immer aus Gitarre, Gesang und Tanz und folgt mit seinen sieben Hauptstilen recht strengen Regeln. Die Tanzenden (ja, auch die Männer tanzen!) drücken immer ein bestimmtes Gefühl aus, also Trauer, Freude, Liebe etc. und die Umstehenden kommentieren laut, unter anderem mit einem bestätigenden „Olé!“.
Wenn man also nicht gänzlich unmusikalisch und dem Tanz als Bewegungsform nicht völlig abgeneigt ist, kann man sich das schon mal anschauen.



Natürlich waren Foto- und Filmaufnahmen strengstens verboten und natürlich hielt ich mich daran. Die Fotos sind heute im Museum entstanden, wo ich mich zum Thema weitergebildet habe. Auf hübsch niedrigschwellig, audiovisuelle Weise erfuhr ich Einiges zu diesem Tanz und seiner Entstehung. Fein!
—
Zur aktuellen Reise-Lage: Jetzt war‘s doch gerade ein wenig brenzlig und mit ein bisschen weniger Glück wäre ich in Madrid gestrandet. Dazu muss man wissen, dass das Zugstreckennetz in Spanien zentral auf Madrid ausgerichtet ist und man, wenn man quer durchs Land will, immer über Madrid fährt und dort ggf. den Bahnhof wechseln muss (ähnlich wie in Frankreich und Paris). Ich hatte 75 Minuten, um von A nach B zu kommen, doch die Größe der Bahnhöfe (lange Wege), der Notfall in der U-Bahn (ausgerechnet jetzt!) und vor allem die Sicherheitskontrollen ließen es mal wieder recht knapp werden.



Ja, man liest richtig: Auf Langstrecken gibt es hier an den Bahnhöfen Flughafen-ähnliche Sicherheitskontrollen mit Durchleuchten von Sack und Pack und Mann und Maus sowie zwei- bis viermaligem Ticket-Check. Und da steht man dann in der Schlange und die Minuten verstreichen. Aber: Wir haben es geschafft!
Einer gesund-vergnügten, wenn auch späten Ankunft in Gijón steht also nichts mehr im Wege! Ich bin gespannt, was Asturien für mich bereithält! #flitzebogen