Au revoir!

Nach der gestrigen Altstadtorgie wollte ich heute das moderne Bordeaux erkunden. Also wanderte ich an der Garrone entlang Richtung Norden bis zu einer futuristisch aussehenden Brücke, die nach einem der zahlreichen französischen Premierminister benannt ist, dessen Namen ich gerade vergessen habe.

Erste größere Station danach war die „Cité du Vin“, ein architektonisch durchaus präsentables Weinmuseum – wenn man den Ausführungen von Bordeaux-Tourismus glauben darf, das bedeutendste der Welt – hört, hört – und wo sollte es anders stehen, als in Bordeaux. Der Eintrittspreis von 22 Euro war uns die ganze Geschichte (des Weins) dann doch nicht wert, da kann sie noch so olfaktorisch-multimedial aufbereitet sein. Für das Geld TRINKE ich den Wein lieber! Die Weinboutique indes war kostenfrei und auch durchaus sehenswert. Gefühlte 1.000 verschiedene französische Weine standen hübsch arrangiert zum (nein, leider nicht zum Verkosten) Erwerb bereit. Wohl dem Wein, der es bis in diese heiligen Hallen schafft.

Auch im Museumsshop gab es das eine oder andere Schmankerl: Für die Winzer:innen der Zukunft den Weinbauern von Playmobil oder ein Wein-Puzzle mit französischen Rebsorten. Früh übt sich…

Danach durchstreifte ich den sogenannten Hafen von Bordeaux, wo schiffstechnisch heutzutage tote Hose ist, man kennt das ja, dafür umso mehr Platz für Start-Ups, Lofts und hippe Kneipen. Bei so viel Zukunft und Visionen fällt dann auch ein zufällig ins Hafenbecken gefallenes Ufo nicht auf. Wer weiß, wo die Insassen sich nun rumtreiben.

Um meinen Trip, der ja auch irgendwie ein Kunsttrip war, gebührend abzuschließen, wollte ich auch hier in Bordeaux nochmals zur Kunst. Meine Wahl fiel auf das Musée des Beaux-Arts de Bordeaux, weil der Namensklang ach so schön.

Auf dem Weg dorthin musste ich nochmals am verkohlten Rathaus vorbei, wo die offensichtlich Sachverständige am Werk war und sich eifrig Notizen machte. Gut, das läuft offenbar mit dem neuen Portal. Eine Sorge weniger.

Dass das Kunst-Museum nirgendwo wesentlich erwähnt wird, hätte mir zu denken geben sollen. Liebe Bordelais, das kann doch nicht euer Ernst sein!? Ihr seid doch Weltkulturerbe, UNESCO und so! HALLO!!
Das schmiedeeiserne Tor wurde für jede:n Besucher:in vom Praktikanten einzeln auf- und wieder zugeschlossen. Schön und gut. Drinnen fühlte ich mich wie in einer Kunstausstellung, sagen wir, im Jahr 1930. Kleinstkleine Räumlichkeiten, muffige Luft, schlimmes Licht, und eine Hängung wie bei Tante Herti im Wohnzimmer. Und die Beschriftung, liebe Leute, mir so als Ex-Grafikerin fehlen da jetzt einfach mal die Worte.

Offensichtlich hat man das Problem, nicht wirklich Kostbar-Sehenswertes ausstellen zu können (weil eben nicht vorhanden, alle in Paris, die großen Werke) außer ein paar kleinen Matisse und Renoirs, die wahrscheinlich irgendwo mal vom Kunsttransporter gefallen sind. Ansonsten im wesentlichen entweder Bilder mit Szenen in Bordeaux (z.B. Kokoschka – da isser wieder) oder eben Künstler-Kinder der Stadt Bordeaux. Püühhh!

Bemerkenswertes gab es dennoch:

  1. Eine Szene in einem Uraltschinken, die auch in einem modernen Comic auftauchen könnte. Man beachte die Mienen.
  2. Mutter Beimer im Volkshochschulkurs „Wildtiere malen“.
  3. Der sterbende Mozart anno 1791 – ich wusste gar nicht, dass ihm bei seinem Tod der linke Zeigefinger fehlte.
  4. Der Maler, von dem Piet Mondrian die Idee geklaut hat: Jean Gorin.
  5. Und unerhört Unerhörtes in diesen heiligen Hallen. Ohlala!

Irgendwie passte dieser Kunstgenuss dann auch zu diesem letzten Tag – der Rausschmeißer sozusagen oder die Schlussetappe einer langen Wanderung, bei der man gerne mal durch Industriegebiete von irgendwelchen Städten läuft.
Und so schließe ich diese Seiten des Blogs – morgen geht’s zurück in die Heimat. Es war eine neue Erfahrung, dieses Stadtwandern – schön, aber auch ganz schön anstrengend und mit deutlich mehr Input – für mich und für euch – als das Wandern durch die Natur.

Das wird bald wieder kommen, so zumindest ist es geplant. Und dann werden auch Schweinehund und Frau Komoot wieder deutlich prägnanter mit von der Partie sein, da bin ich mir sicher. Und wer dabei sein möchte, möge – falls noch nicht geschehen – den Blog abonnieren, um den Start in neue Abenteuer nicht zu verpassen. Au revoir, meine Lieben, es war mir wie immer ein Vergnügen!

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