Liebe Leute, das Wanderleben ist vielfältigst und mit Zelt auch seehr zeitintensiv. Außerdem ist dabei „Futter“ – sprich: Strom – für Frau Komoot & Co Mangelware. Und so kam die Berichterstattung gleich zu Beginn ins Stocken. Hier also die Nachträge:
Mittwoch, 31.05.2023:
Was viele zu interessieren scheint: Die erste Nacht im Zelt. Die war vorrangig erstmal unbequem (die neue Isomatte und ich sind noch keine Freunde) und durchaus nicht frei von ungeplanten Wachphasen.
Nicht nur ein Mal vernahm Schweinehund Geräusche, die MINDESTENS auf einen ums Zelt schleichenden Meuchelmörder hindeuteten, doch statt sich zähnefletschend in die Schlacht zu werfen, verkrochen er sich nur noch tiefer in unseren Schlafsack. Frau Komoot ging das alles nix an: „Ich bin eine MA-SCHI-NE, ich hab keine Gefühle.“ Augenverdreh!
Gegen frühen Morgen schlief ich am besten, aber da machten dann die erwachenden Vögel einen Höllenlärm. Da ich erstaunlicherweise noch am Leben war (der Meuchelmörder hatte sich offenbar doch ein anderes Opfer gesucht), stand ich um 7.30 Uhr auf und begann mein Zelt-Abbau-alles-wieder-einpack-Tagwerk. Kurz darauf nahte eine 7. Klasse nebst Lehrkräften auf dem Weg zur Wartburg. Also machte ich, dass ich fortkam.
Insgesamt wurden es an diesem zweiten Wandertag 24 Kilometer von der „Wilden Sau“ bis zum „Venetianerstein“ bei schönster Blau-Himmel-Sonne und einer leichten Thüringer-Wald-Brise .

Die ersten Kilometer ging es zurück zur „Hohen Sonne“ für ein Frühstück. Der dortige Imbiss hatte jedoch leider noch nicht offiziell geöffnet, Frau Sonne verkaufte mir dennoch freundlicherweise eine Apfelschorle und bedachte mich mit einem milden Lächeln. Frühstück also verschoben aufs „Hubertushaus“ bei Kilometer 8.
Wie sich zeigte, bin ich nicht nur auf dem Rennsteig, sondern auch auf unzähligen anderen Wanderwegen, zum Beispiel dem Lutherweg, dem Pumpälzweg (?), dem europäischen Fernwanderweg E3 undundund … und auf einem nicht näher spezifizierten Weg, dessen Markierung jedoch schwer nach Darth-Vader-Weg aussieht (siehe rot-weiße Markierung).


Das anvisierte Hubertushaus war wunderschön im Wald gelegen, aber … hatte geschlossen. Auch meine Wirt-Bezirzungsversuche, mir eine Käsestulle auf die Hand zu verkaufen, liefen ins Leere und so zog ich mit zunehmend hängendem Hunger-Bäuchlein weiter; Schweinehund knurrend neben mir. Immerhin gab’s ne Ladung Studentenfutter auf die Hand.
Einen Kilometer weiter saßen auf einem Bänklein zwei 18-jährige Wanderjungs – Georg und Leonard – die, Achtung!, mit Schaffell, Wolldecken und jeder Menge Bierdosen unterwegs sind. Als wir da so saßen und plauderten fuhr ein Geschwader Thüringen-Forst-Unimogs an uns vorbei besetzt mit Forstmannen und -frauen, die sich hoffentlich um den – ja, auch hier! – ziemlich angeschlagen Wald kümmern.


Allerdings höre ich vielerorts, es gäbe keinen wirklichen Plan, von Rettung ganz zu schweigen. Aber genug davon, ich will ja hier keine schlechte Stimmung verbreiten. Vielleicht später mal…
Im Weiteren zeigte sich der Weg oft hübsch mit wunderherrlichsten Ausblicken und dem ein oder anderen lustigen Detail am Wegesrand.




Als nicht nur der Imbiss „Zur Wallfahrt“, sondern auch der Biergarten „Dreiherrenstein“ geschlossen hatten, erreichte die Laune der Truppe einen ersten Tiefpunkt. Es war mittlerweile 16:00 Uhr und ich hatte noch nichts Wesentliches gegessen. Ich hatte die Wahl: Entweder an der Schutzhütte Venetianerstein, meinem anvisierten Tagesziel, schon am zweiten Tag die eiserne Reserve an Fertiggerichten zubereiten oder aber noch einen Kilometer weiter durchziehen zur Gaststätte auf dem Großen Inselsberg. Ich entschied mich für Variante zwei und, Halleluja, die hatten geöffnet!


Schweini konsumierte eine große Portion Bauernfrühstück und einen Käsekuchen und ich den Panoramablick über den Thüringer Wald Richtung Oberhof. Außerdem befragte ich die Wirtin zum Thema geschlossene Gaststätten. Sie verdrehte nur die Augen und sagte: Personalmangel! Großes Problem!

Zurück am Venetianerstein genoss ich nach Zeltaufbau undsoweiter auf einem Felsen sitzend den sensationellen Sonnenuntergang, als Thomas und Enna aus Berlin des Weges kamen und ihr Zelt neben meinem aufschlugen. Es sollte also wieder eine Nacht ohne Meuchelmörder werden.
Ein Lob auf Frau Inselberg, die Gute. Schön die Stellung halten, gell, und Wandersleute mit Essen füttern!