Der Steimel

Auch heute Morgen gab’s im Gasthof zur guten Quelle wenig Anlass zur Freude. Im Gegenteil! Das lieblos auf meinen einsamen Frühstückstisch hingeklatschte deutsche Frühstück wurde olfaktorisch durch ein asiatisches in Form von Suppengerüchen begleitet und so machte ich doch schneller als gewohnt, dass ich fortkam vom Ort des Grauens. Ich drehte eine kurze Runde über den Selterschen Dorfplatz, zapfte Wasser am Trinkwasserbrunnen (erschien mir hygienischer als die „gute Quelle“) und bog ein auf die Etappe Richtung Montabaur – 18 Kilometer.

Diese bot keine in DEM Sinne großen Highlights, mäanderte eher so dahin, meist auf geschotterten oder geteerten Waldundwiesenwegen. Wir plauschten gelegentlich mit netten Hundebesitzern und – ja, tatsächlich – mit einem E1-Wanderer, der uns entgegen kam. Er sei seit 17 Tagen unterwegs und visiere Göteborg an. Na dann: God tur!
Von oben wurden wir begleitet von übers Land ziehenden Schauern, die uns dann auch ab und zu ziemlich kalt erwischten. Beim schlimmsten schafften wir es gerade noch zum nächsten Ort, wo wir uns im Eingang der (natürlich geschlossenen) Dorf-Wirtschaft unterstellten bis das Schlimmste vorbei war. So ein Kännchen heißer Tee und für Schweinehund vielleicht ne Wurst, das hätte uns gefallen!

Wenn schon keine großen, dann doch wenigstens ein paar kleine Highlights:

  1. Schweinehund frönte seinem neuen Hobby: bemalte Steinchen finden. Da Ostern jedoch vorbei ist (siehe Aufschrift) tauschten wir heute nicht, sondern blieben bei unserem roten Herz auf quietsch-gelbem Grund.
  2. Wie schon erwähnt ist Frau Komoot schon ganz wuschig wegen der unübersehbaren Anzahl an kommunalen, regionalen, landschafts- und inhaltsbezogenen, überregionalen und europäischen Wander-, Fernwander- und anderer Wege – ganz zu schweigen von den Touren und Trails für Fahrradfahrer und Mountainbiker. Heute kreuzte der Kannenbäckerland-Weg unsere Route!
  3. Eingeweihte wissen: Silke möchte einen Bulli! Und da stand doch heute tatsächlich einer am Wegesrand, der für 3.500 Euro einen neuen Besitzer sucht. Allerdings kam der Autohändler dann doch einen Ticken ZU schnell gelaufen, mit den Autoschlüsseln wedelnd, um mich zu einer Probefahrt zu überreden. Beim Öffnen der Fahrertür kroch mir ein unangenehmer Geruch ins Näschen, so dass ich dann doch dankend ablehnte. Dann muss ich eben doch noch ein paar Kilometer zu Fuß weiter. 🙂
  4. Einchecken im Hotel in Zeiten von Corona: kontaktlos. Leider gibt‘s morgen früh auch kein Frühstück…

Und dann gab‘s kurz vor Wirges doch noch ein mittelgroßes Highlight: Der Steimel.
Im 19. Jahrhundert – so die Mär – ging‘s mit dem Neubau der Pfarrkirche nicht so recht voran und so errichteten der findige Pfarrer und engagierte Bürger auf dem bis dahin „wüst liegenden Steimel“ (Hügelchen außerhalb des Dorfes) mit eigenen Händen ein Kapellchen mit Kreuzwegstationen.
Der Pfarrer Klau war nicht nur Pfarrer, sondern auch Schulinspektor und zog fortan jedes Jahr nach der Schulinspektion mit Schülern und Lehrern auf den Steimel. „Nach Gesang und Gebet fanden allerlei lustige Spiele statt…“, so die Infotafel. Soso!
Heute war der Steimel ein sonniger Ort der Ruhe zwischen zwei Schauern und ein herrliches Pausenplätzchen für eine müde Wandersfrau.

Da die Etappe recht kurz war, lief ich schon kurz nach 14 Uhr in Montabaur ein. Montabaur…? Bei Montabaur fiel mir bisher immer nur der ICE-Bahnhof ein. Wer hätte geahnt, dass da ein hübsches gelbes Schlösschen auf dem Berg steht (mit Caspar-David-Friedrich-Wolken im Hintergrund) und sich das Städtchen herausgeputzt hat. Nach einem Nickerchen machte ich einen kleinen Stadtrundgang und schaute auf eine Sahneschnitte im Eiscafe Dolomiti rein. Luigi – nennen wir ihn einfach mal so – kam seinem Bildungsauftrag als Eiscafe-Besitzer nach und klärte mich in radebrechendem Deutsch über den Ursprung des Namens Montabaur auf: Irgendwas mit Mons Tabor und einem Berg in Israel … wen’s interessiert, kann‘s sicher bei Wiki nachlesen.
Auch die Abend-Gastronomie hat sich durchaus Mühe gegeben, so dass ich ein vorzügliches Abendessen zu mir nehmen konnte. So soll es sein!

Den Bembel gibt‘s für den wirklich engagierten Luigi. Wenn nur sein Deutsch besser wäre…

Ein Kommentar zu “Der Steimel

  1. supie sieht das aus Silgele! leider schaffe ich nicht jeden tag deine blogs komplett zu lessen und da ich wie Luiggi bin ist manchmal fur mich ganz schon schwierig dein blumiges deutsch zu folgen….ich sage nur VIVA Luiggi trotz Luiggi-Deutsch er war der highligth diese Etappe oder? die Landschaftsbilder und Schloesse und Hauser finde ich klasse und nun…freue mich SEHR dass du deine Tuer weiter machen kannst…es war nicht so klar am Anfang und finde klasse dass das bis jetzt dich geklaptt hat auch wenn nicht perfekt! Dicke besos und…weiter wandern!

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar